Über John Gottmann

Gepostet am Aug 14, 2016 in Gottman, Grundlagen

Über John Gottmann

John Gottman hatte Mathematik studiert, bevor er sich der Psychologie zuwandte, und er ging empirisch vor: Um Paare zu studieren, steckte er Hunderte von ihnen in ein Labor. Dort ließ er sie Konflikte austragen, Nettigkeiten austauschen oder erzählen, wie sie sich kennengelernt hatten, dabei wurden ihre Herzfrequenz, der Blutdruck, der Hautwiderstand aufgezeichnet und alles mit Videokameras gefilmt.

Anhand des Videomaterials codierte man danach auf die Zehntelsekunde genau jedes Wort und jeden Gesichtsausdruck, wie:

Dominanz, Kritik, Zorn, Anspannung, Abwehr, Traurigkeit, Verachtung, Mauern, Neutralität, Zuneigung, Humor, Interesse, Wertschätzung – jede Regung bekam ein Label.

Das Partnerschaftslabor und Langzeitstudie:

Gottman richtete später eine Dachwohnung mit Blick ins Grüne ein, in der Paare 24 Stunden zu zweit verbrachten. Hier konnten sie kochen, lesen, fernsehen, reden, sogar das Haustier durfte man mitbringen. Sie sollten sich wie in einer netten Pension fühlen.

Das Einzige, was die Romantik trübte, war das Wissen, dass die Wissenschaftler das Paar durch Einwegspiegel beobachteten, dass drei Kameras und Mikrophone alles festhielten, was sie sagten und taten, dass Sensoren an ihrer Brust Puls und Schweißbildung aufzeichneten und dass ihr Urin auf Stresshormone hin untersucht wurde.
Er und sein Team verfolgten den Werdegang der Paare bis zu 14 Jahre lang. Immer auch mit den Fragestellungen:

Blieben sie zusammen oder trennten sie sich?

Wurde ihre Beziehung besser oder schlechter?

Aus dieser riesigen Datenmenge extrahierte sie mathematische Modelle, und die erste Frage, die Gottman stellte, war:

Wodurch unterscheiden sich die Paare, die auch nach Jahren noch zusammen und glücklich waren, von denen, die sich trennten oder unglücklich wurden?

Welche Muster ließen sich finden?

Er war überrascht, dass ein Ergebnis war, dass die Häufigkeit von Ärger in der Datenerhebung überhaupt nichts aussagte über die Zukunft der Beziehung.

Bei der Analyse kristallisierten sich vier andere Verhaltensweisen heraus, die Konflikte eskalieren ließen, wenn sie mit Ärger gekoppelt waren, er nennt sie die vier apokalyptischen Reiter.

Über die Jahre hat Gottman all die vielen Möglichkeiten gesammelt, mit denen Partner einander beim Streiten abwerten können. Die Liste reicht von sarkastischem Lachen, Seufzen, Augenrollen über Sätze wie «Und, willst du mich jetzt verklagen?» bis hin zu einem Mann, der nach jedem Satz seiner Frau zuerst ihre Grammatik bemängelte.

Die „Beziehungsstabilen“, so zeigte es sich, stritten oft genauso häufig wie die „Beziehungsinstabilen“ aber sie stritten anders. Sie starteten seltener mit einer groben Kritik, die „apokalyptischen Reiter“ trabten nur vereinzelt und nicht als ganzes Heer durch ihre Gespräche, sie konnten die Eskalation aufhalten, indem sie die Situation durch Worte oder Gesten entspannten, und sie zeigten selbst während eines Konflikts mehr positive als negative Emotionen; etwa, indem sie lächelten, sich kurz berührten oder zustimmend nickten.

 

Verhältnis von Positiv zu Negativ

Gottman und sein Team werteten Hunderte von Sequenzen aus und berechneten, welches Verhältnis von Positiv zu Negativ die Liebe dauerhaft zu machen scheint:

Es liegt bei 5 zu 1.

Paare, die glücklich bleiben, gleichen eine negative Regung unbewusst mit fünf Nettigkeiten aus. Paare, die sich später scheiden ließen, kamen auf eine Rate von 0,8 zu 1 oder weniger.

Bereichere Dich an den Theorien von John Gottman und seinem Team und nehme Dir immer wieder eine Übung vor. In all seinen Übungen geht es darum, dass glückliche Ehen auf eine tiefe Freundschaft gegründet sind. Damit ist gegenseitiger Respekt und Freude an der Gemeinschaft mit dem anderen gemeint.

Es geht um die Pflege ständiger, gegenseitiger Achtung und dem Zeigen von  Zuneigung nicht zu besonderen Anlässen Ausdruck, sondern auch in den kleinen Dingen, tagein, tagaus.

 

Das zeichnet John Gottmann (* 1942) aus

Kaum jemand hat in seinem Leben so viele Paare gesehen wie John Gottman.

Er wollte zuerst nicht wissen, wie scheiternde Beziehungen gerettet werden konnten – er wollte verstehen, weshalb gute Beziehungen funktionieren.

Mehr als 7000 hat er seit 1972 für seine Studien beobachtet.

Etwa 10 000 Paare haben einen seiner Workshops besucht.

Anfang der 1970er Jahre gab es bereits 2000 Studien zum Thema Scheidung, jedoch nur 6 davon untersuchten, weshalb Paare zusammenblieben. Zudem basierten die Studien alle auf der beschränkt aussagekräftigen „Self Report“-Methode, bei der die Ehemänner und Ehefrauen einfach Fragebogen ausfüllten.