Trauma & Beziehung

Gepostet am Sep 8, 2016 in Entwicklung, Trauma

Trauma & Beziehung

Wer in der Kindheit ein traumatisches Ereignis durchleben musste, hat im späteren Leben ein erhöhtes Risiko psychisch und auch physisch zu erkranken. Da aber nicht jeder, der in seiner Kindheit traumatisiert wurde, später solche Symptome entwickelt, gibt es anscheinend Möglichkeiten, ein Trauma so zu verarbeiten, dass es später fast keine Spuren hinterlässt. Aber warum können manche Betroffene es scheinbar so gut verarbeiten und andere wiederum nicht? Warum quält sich ein Teil der Traumatisierten jahrelang mit Symptomen herum während andere ihr Leben einfach leben?

Die Forscherin Emmy Werner beobachtete in einer jahrelangen Studie Traumapatienten. Durch ihre Arbeit weiß man heute, welche Bedingungen nötig sind um ein Trauma erfolgreich zu überwinden.

In ihren Büchern zitierte sie steht’s Robert L. Stevenson’s Aussage

“Life isn’t a matter of holding good cards, but of playing a poor hand well”

übersetzt: Es geht im Leben nicht darum, ein gutes Blatt zu haben, sondern mit schlechten Karten gut zu spielen.

Um zu einer selbstbewussten und starken Persönlichkeit zu werden braucht es folgende Faktoren:

  • eine robuste Persönlichkeit als Kind haben
  • starker familiärerer Zusammenhalt
  • Vertrauenspersonen auch außerhalb der Familie haben (z.B. Lehrer, Pfarrer, Erzieher)

Werner stellte in ihren Studien fest, dass bereits EIN Erwachsener, der das betroffene Kind bedingungslos liebt und unterstützt, diesem dabei Hilfe leistet, dass das erlebte Trauma nicht sein Leben bestimmen wird. Um das Trauma zu überwinden, müssen daher genügend starke Ausgleichsfaktoren geschaffen werden, damit sich wieder ein Gleichgewicht bilden kann.

Betroffene, die das Trauma wegen fehlenden Ausgleichsfaktoren nicht überwunden haben, leiden in ihrem späteren Leben häufig an folgenden Symptomen:

  • Depressionen:Eine lebensgefährliche Erkrankung, bei der viele Betroffene an Selbstmord denken. Laut Ergebnissen des Max-Planck-Instituts ist der Selbstmord bei Depressionen die dritthäufigste Todesursache bei jungen Menschen. Betroffene verlieren Freude und Interesse an ihrer Umwelt, Selbstbewussten und Selbstwertgefühl sind nicht mehr vorhanden.
  • Zwangserkrankungen:Meist drehen sich die Zwänge um Sauberkeit, Angst vor Schmutz und Bakterien. Zwangsgedanken und Handlungen treten oft gemeinsam auf.
  • Posttraumatische Belastungsstörungen: Tritt häufig nach belasteten Situationen wie z.B. Krieg (bei Soldaten sehr häufig), Naturkatastrophen, Gewaltverbrechen oder schweren Unfällen auf. Betroffene fühlen sich oft betäubt, haben Albträume, in denen die traumatische Situation immer wieder durchlebt wird.
  • Angst-, & Panikattacken:Herzklopfen, Herzrasen, Schweissausbrüche und Enge-Gefühl in der Brust. Panikattacken können minutenlang andauern. Wenn diese Attacke vorbei ist, hat der Betroffene aber ständige Furcht vor einer erneuten Attacke. So entzieht er sich meist der Situation, in der die Attacke ausbrach und meidet diese zukünftig.
  • Dissoziative Störungen:Das erlebte Trauma wird vollkommen verdrängt, in schweren Fällen kann es zu einer multiplen Persönlichkeitsstörung kommen.
  • Selbstverletzendes Verhalten:Betroffene fügen sich selbst Schmerzen und Verletzungen zu (z.B. Ritzen mit Rasierklingen).

 

Trauma und Paarbeziehung

Ein Trauma, dass nicht überwunden wurde, stört die Paarbeziehung oder lässt erst gar keine Beziehung zu. Wenn ein scheinbar unlösbares Problem zu einer ausgewachsenen Krise führt, kann dies oftmals auf einen traumatischen Hintergrund eines Partners zurückzuführen sein. Vertrauen kann nur schwer oder teils gar nicht aufgebaut werden. Deshalb versuchen die traumatisierten Personen oft alles um sich und den Partner herum zu kontrollieren. In den Beziehungen herrscht oft ein Wechselspiel zwischen Dominanz und Abhängigkeit.
Es kommt nur selten vor, dass ich sich ein traumatisierter Mensch einen Partner sucht, der selbst nicht traumatisiert ist, denn wir lieben was wir kennen. Wenn beide Partner schwer belastet sind, macht es die Beziehung aber nicht einfacher. Eine Paartherapie ist in beiden Fällen sehr ratsam und sollte in Anspruch genommen werden, damit sich das Fundament einer Beziehung bilden und auch bestehen kann.