Stressabbauende Gespräche führen

Gepostet am Sep 8, 2016 in Gottman, Grundlagen

Stressabbauende Gespräche führen

Bevor ihr ein solches Gespräch führt, denkt erst einmal über den Zeitpunkt nach. Viele Menschen möchten innerlich wieder zur Ruhe kommen, bevor sie bereit sind, um über eine stressige Situation zu sprechen. Wartet also, bis ihr beide bereit zu einem Gespräch seid. Ihr solltet euch -je nach Bedarf- mehrmals wöchentlich ca. 30 Minuten einem solchen Gespräch widmen. Jeder hat dann ca. 15 Minuten Zeit, seine Sorgen vorzutragen.

Ihr könnt über alles reden, was euch momentan so beschäftigt, aber Eheprobleme oder andere Konflikte eurer Partnerschaft haben in diesem Gespräch nichts zu suchen. Beschränkt euch bitte auf Probleme im Beruf, mit Freunden oder anderen Familienmitgliedern.

Um ein erfolgreiches stressabbauendes Gespräch zu führen, sollten die folgenden Punkte beachtet werden:

  1. Abwechslung:
    Jeder Partner hat ca. 15 Minuten Zeit sich zu beklagen, was ihn momentan am meisten stört.
  2. Gut überlegten Rat erteilen:
    Bevor Du Deinem Partner einen Rat erteilst, solltest Du Dir gut überlegen, was Du ihm vorschlägst. Einen zu schnell erteilten Rat, kann Dein Partner leicht missverstehen, weil er denkt, dass Du die Sache herunterspielen möchtest. Das Verständnis muss vor dem Rat kommen. Lasse Deinen Partner spüren, dass Du seine Situation wirklich nachvollziehen kannst und mit ihm fühlst. Dann erst solltest Du ihm einen Rat erteilen. Es ist vor allem wichtig, ein guter Zuhörer zu sein und Deinem Partner zu vermitteln, dass Du auf seiner Seite stehst.
  3. Interesse zeigen:
    Blicke Deinem Partner stets in die Augen und lasse Deinen Blick und Gedanken nicht abschweifen.
  4. Verständnis mitteilen:
    Gib Deinem Partner das Gefühl, dass Du mit ihm fühlst. Das spendet ihm Trost und gibt ihm gleichzeitig auch Kraft.
  5. Partei ergreifen:
    Auch wenn Du der Meinung bist, dass seine Sicht auf die Dinge nicht ganz korrekt ist, solltest Du ihn unterstützen. Wenn Du Dich auf die Seite des anderen stellst, wird das Deinen Partner sehr verletzen. Wenn Dein Partner Deine moralische Unterstützung braucht und nicht Deinen Rat, dann solltest Du ihm diese moralische Unterstützung auch bieten. Es ist dann nicht Deine Aufgabe ein moralisches Urteil zu fällen. Deine Aufgabe ist es, auf der Seite Deines Partners zu stehen.
  6. Die „Wir-gegen-den-Rest-der-Welt-Haltung“:
    Lasse Deinen Partner nicht im Stich. Stehe zu ihm und lasse ihn wissen, dass ihr beide als Team alles meistern könnt.
  7. Zuneigung zeigen:
    Nehme Deinen Partner in den Arm. Sage ihm, dass Du ihn liebst und zu ihm stehst.
  8. Gefühle bewerten:
    Gib Deinem Partner das Gefühl, dass Dir seine Gefühle wichtig sind und auch sinnvoll erscheinen. Sage z.B. „Ja, da stimme ich Dir zu. Ich begreife, warum Du so verärgert darüber bist.“

Bedenke:

Niemand kennt Dich besser als Dein Partner. Sprecht darüber was ihr momentan am meisten braucht, wenn ihr gestresst seid. Eine Grundvoraussetzung für eine stabile und langwährende Partnerschaft ist, dass ihr beide überzeugt seid, auf derselben Seite zu stehen.

(nach John Gottman – die 7 Geheimnisse der glücklichen Ehe)