Übung: Schreibe Deine Memoiren und Dein Drehbuch

Gepostet am Feb 7, 2016 in Entwicklung, Trauma

Übung: Schreibe Deine Memoiren und Dein Drehbuch

Diese Übungen helfen Dir, die Vergangenheit von der Gegenwart zu trennen. Memoiren sind Erinnerungen, Erinnerungen handeln von der Vergangenheit. Wenn Du Deine Memoiren schreibst, gebe Deinen Erinnerungen und den damit verbundenen Emotionen den Platz, der ihnen gebührt. Du hast damit sozusagen schwarz auf weiß, dass es sich um längst vergangene Erlebnisse handelt. Die Gefühle, die beim Schreiben in Dir aufsteigen, gehören zu den Erinnerungen.

Viele Traumatisierte können mit Hilfe von ihren Memoiren ein anderes Verhältnis zu ihrer Kindheit gewinnen. Einigen werden neue Zusammenhänge klar, andere schließen Frieden – sie berichten von einer Art „gefühltem Abschluss“.

Das, was Dir passiert ist, ist lange vorbei.
Heute bist Du in Sicherheit. Heute darf es Dir gut gehen.

 

Wie hätte es sein sollen – das neue Drehbuch

Wenn Du mithilfe Deines Therapeuten Deinen persönlichen Horrorfilm schon kennen gelernt hast und Du auch in der Lage bist, diesen anzuschauen ohne in die traumatischen Emotionen abzurutschen, ist es nun an der Zeit, Dein eigenes neues Drehbuch zu schreiben. Um ein neues Drehbuch zu verfassen, solltest Du ganz konkret werden, so als wenn Du tatsächlich eine Fortsetzung oder eine Neufassung drehen willst. Du kannst den Film so beginnen, wie er historisch begonnen hat. Doch dann greife rechtzeitig ein, bevor das Kind, das Du einmal warst, Schaden nimmt.

Stelle Dir die folgenden Fragen:

  • Was hätte anders sein müssen, damit Du nicht traumatisiert worden wärst?
  • Was genau hättest du gebraucht?
  • Wer hätte Dich retten können? (Wenn Du die Rettung des Kindes, das Du einmal warst, niemand aus der Familie zutraust, dann könntest Du selbst in der Funktion Deines erwachsenen Ichs Dein inneres Kind retten.)

Entweder Du schreibst das Drehbuch zu Hause oder in der Therapiestunde mit Begleitung Deines Therapeuten.

Es gibt zwei Möglichkeiten, das Drehbuch zu inszenieren: als Imagination oder als Ressourcenarbeit.

Imagination:

Um das neue Drehbuch zu imaginieren, gebe Deinem Therapeuten das Drehbuch und lassen Dich von ihm durch den Film führen. Du berichtest ihm, was Du siehst und was Du empfindest, und er passt auf, dass es Dir dabei gut geht. Vertiefe Dich in das neue Drehbuch und genieße es, gerettet und geschützt zu werden.

Ressourcenarbeit:

Die andere Möglichkeit, den Film neu zu erleben, ist eine Ressourcenarbeit nach Albert Presso, bei dem das neue Drehbuch mit Darstellern inszeniert wird. Diese Technik unterscheidet sich grundlegend von einer Aufstellung, weil hier der Traumatisierte das genaue Drehbuch vorgibt. Die Stellvertreter müssen genau das tun und sagen, was der Traumatisierte vorgibt, damit der Kontext geschaffen wird, den der Traumatisierte braucht, um nachzuholen, was für seine Heilung notwendig ist. Das positive gegenwärtige Erleben ersetzt den negativen Film. Endlich bekommt der Betroffene das, was er sich schon immer gewünscht hat.
Solche Sitzungen sind für alle Beteiligten sehr bewegend und klappen am besten, wenn sich die Teilnehmer kennen. Albert Presso sagte bei seinem Vortrag beim Symposium in Lindau 2005, dass allein die Tatsache, dass der menschliche Körper Endorphine – Glückshormone – produziere, beweisen würde, dass wir ein Recht darauf hätten, glücklich zu sein. Für dieses Glück müssen wir zuweilen selbst sorgen und es – wie das Himmelreich – an uns reißen. „Es ist“, um mit Ben Fuhrmann zu sprechen, „nie zu spät für eine glückliche Kindheit.“

 

Diese Übungen stammen aus dem Buch “Den Drachen überwinden – Vorschläge zur Traumaheilung” und wurden uns von den Autoren Christiane & Alexander Sautter zur Verfügung gestellt.