Proaktivität

Gepostet am Sep 7, 2016 in Alltag, Beziehungspflege

Proaktivität

Zwischen Reiz und Reaktion liegt die echte Wahlfreiheit und wie der Wunsch nach Gedankenlesen verändert werden kann. Bei Viktor Frankl, Stephan R. Covey oder Hans Jellouschek in kann man darüber lesen. Es geht darum, dass wir oftmals nicht wirklich frei sind in unserem Handeln, wenn nahestehende Menschen mit uns im Dialog sind. Wie ferngesteuert geben wir eine Antwort, sind damit in unser bekanntes Kommunikationsmuster eingetreten und der Streit scheint nicht mehr abwendbar.

Ein Beispiel:

Zu einem großen Fest wurde geladen und um Pünktlichkeit wurde gebeten. Beide machen sich etwas in Eile  fertig. Sie ist noch im Bad beim Make-up als er ruft: „Lena, wo ist denn meine Krawatte schon wieder hingekommen?“ Je nachdem in welcher Stimmung Lena ist und ob dieses Thema häufiger vorkommt oder ob sie noch von früher kennt für alles zuständig zu sein – fällt nun die Antwort aus. In stressigen Situationen verfallen wir wie im Automatismus in unsere früh erlernten Muster. Wäre Lena entspannt würde sie freundlich antworten: „Sie liegt auf dem Bett. Ich habe sie gerade von der Reinigung abgeholt.“ Würde Lena in ihr früh erlerntes Muster verfallen, weil ein inneres Erinnern abläuft – an alte Gefühle, Emotionen, Gedanken, Bilder–  würden diese die Steuerung von Lena übernehmen und ihre äußere Reaktion darauf wäre: “Wann wirst du endlich erwachsen und kümmerst dich endlich selbst um deine Klamotten.“ (Als älteste Tochter, musste Lena früher auf ihre Geschwister aufpassen und wurde oft zu Unrecht für das Verschwinden von Dingen im Haus verantwortlich gemacht.) Je nach Lena´s Tonfall bricht nun ein Streit über beide herein oder eisiges Schweigen begleitet das Fest. Was würde in einer solchen Situation helfen?

 

Hier ein kleinschrittiger Prozess, der in Sekunden ablaufen könnte…

Achtsamkeit

Zu allererst braucht es Achtsamkeit an der Stelle an der beide feststellen, dass sie in ein „altes Muster“ eintreten. Diese Bewusstheit lässt nun einen Spielraum zu. Es ist der Raum der zwischen Reiz und Reaktion entsteht. Wie wenn du den Pausenknopf an deinem MP3 Player drücken würdest.

 

Abstand nehmen

Nun ist es mir möglich innerlich einen Schritt zurück zu treten, d.h. von der Sache Abstand zu nehmen. Es hilft tiefes Durchatmen oder tatsächlich auch äußerlich einen Schritt zurück zu gehen oder sogar aus dem gleichen Raum gehen.

 

Selbstwahrnehmung

Als nächstes kann man sich selbst wahrnehmen, sich selbst beobachten, was gerade in einem vorgeht. Was hat ausgelöst, dass dieser Alarmknopf innerlich angegangen ist? Lena würde feststellen, dass sie sich für etwas verantwortlich fühlt, wofür sie es schon in ihrer Kindheit satt hatte die Verantwortung zu übernehmen. Nur heute ist sie erwachsen.

 

Verstand/Gewissen befragen

Lena könnte sich und das Verhalten ihres Mannes hinterfragen. Wahrscheinlich ist ihr Mann nur in Hektik und wie das bei Männern öfter der Fall ist, ermöglicht ihnen der Tunnelblick nicht, die Butter im Kühlschrank zu entdecken oder wie in diesem Beispiel die Krawatte auf dem Bett zu finden. Er kennt die besondere Struktur seiner Frau und bittet um Hilfe, damit er schneller fertig wird. Eventuell wollte er nur ausdrücken, dass Lena alles im Griff hat, weil sie so ordentlich ist, aber das kam bei ihr nicht an.

 

Vorstellung der Idealsituation

Lena könnte sich fragen: „Was möchte ich denn eigentlich?“ Ihre Antwort könnte sein: „Einen schönen Tag mit meinem Mann auf diesem besonderen Fest verbringen. Schließlich haben wir uns so lange schon darauf gefreut und ich habe mir extra dieses schicke Kleid gekauft.“

Bereitschaft frei über mein Verhalten/meine Reaktion zu entscheiden (Echter freier Wille)

Lena könnte sagen: „Deine Krawatte liegt auf dem Bett.“ Auf der Fahrt zum Fest könnte Lena das Gespräch erneut aufgreifen und mitteilen: „Gerade war ich in Versuchung ärgerlich zu werden. Mit deiner Frage nach der Krawatte komme ich mir vor, wie  damals als ich mit 10 Jahren nicht wusste wo die Schuhe meines Bruders waren und ich habe dafür die Schelte erhalten. Ich merke, wenn du willst, dass ich dich bemuttere dann löst dies Ärger in mir aus. Nun könnte er wiederum mitteilen um was es ihm ging und beide wären in der Zukunft etwas achtsamer mit den Fragen und den „manchmal vorschnellen Antworten. Humor aktivieren:

Der letzte Schritt beim Pro aktiv sein wäre den Humor zu aktivieren und zu lachen, dass man fast schon wieder in die Falle getapst wäre. Dann hast du dein Muster gut unter Kontrolle.

Diese Proaktivität kannst du außerhalb jeder Konfliktsituation üben. Eine wunderbare Möglichkeit bietet das Emotionale Beziehungskonto dazu. Nimm dir in Zukunft mehrmals am Tag vor pro aktiv Einzahlungen auf das emotionales Beziehungskonto deines Partners vorzunehmen. Warte nicht bis der andere seine Einzahlung getätigt hat. So lange jeder wartet bis der andere den ersten Schritt geht wird es keine Veränderung geben. Diese Übung hilft auch in der etwas schwierigen Teenager Zeit, wenn die Jugendlichen zu gerne die „Ausrast-Knöpfe der Eltern“ drücken.

 

Proaktivität und Frauen und Gedankenlesen

Wir Frauen haben scheinbar in den Genen oder in den Hormonen, dass wir wünschen unser Partner könnte Gedanken lesen. Diese Kompetenz fehlt jedoch vielen Männern. Somit warten wir Frauen oft ein Leben lang darauf, dass irgendwann unsere Wünsche erkannt werden. Was schade ist. Ein Beispiel dazu. Die Frau wünscht sich hin und wieder mit Blumen überrascht zu werden. Ihm bedeuten Blumen wenig, somit kommt er nicht auf die Idee. Wenn die Frau nun ihren Wunsch formulieren würde: Frank, ich mag Blumen wirklich sehr und du würdest mir eine große Freude bereiten immer mal wieder welche mitzubringen.

Der Mann wäre froh über die klare Botschaft und weiß was zu tun ist. Nun dürfte nur folgendes Phänomen nicht passieren. Viele Frauen können sich nun nicht wirklich freuen, sondern sind enttäuscht, weil er ja nur Blumen mitbringt, weil sie es gesagt hat. Anstatt sich zu freuen, dass er ihr gerne einen Wunsch erfüllt.

 

Proaktivität und Vorbild sein

Frauen manchmal auch Männer, die einen Schritt weiter sind haben gehört, dass Lernen gut am Vorbild gelingt. Also machen Sie das was sie sich von ihrem Partner wünschen. Allerdings hat der Partner ganz andere Bedürfnisse und sieht sich keineswegs veranlasst das was er von der Frau an Liebesbekundungen oder Zärtlichkeiten die er erhält in gleicher Weise zurück zu geben. Ganz im Gegenteil, wer will ihr ja zeigen, was er so gerne mag, denn auch er würde sich freuen, wenn sie ihn als Vorbild nutzt und von ihm lernt. Und schon würden wir uns im sogenannten Teufelskreis befinden.

Auch hier ein Beispiel:

Lena mag es wenn er Kerzen anzündet, ihre Lieblingsmusik erklingt und er ihr nach und nach ein Kleidungsstück nach dem anderen genüsslich auszieht. Da sie sich dies so wünscht lebt sie ihm das auch so vor.

Er dagegen erlebt dies als nette Spielerei ist dann aber sehr froh an die Frau ran kommen zu können und beeilt sich etwas. Da über Sex auch noch wenig gesprochen wird, kommen beide seltensten zu ihrem Lieblingsszenario weil es beide von anderen nicht wirklich kennen. Dabei würde es beiden wahrscheinlich Spaß machen es bewusst so oder bewusst anders zu tun. Nur dafür müsste einer von beiden beginnen pro aktiv über die eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu sprechen.

 

Proaktivität im Alltag

Es müssen auch nicht so große Themen sein. Gut ist es wenn ihr beide lernt Alltagsthemen direkt somit pro aktiv anzusprechen.

Auch hier ein Beispiel: Es ist 23.00 Uhr und ich fahre von meiner beruflichen Veranstaltung nach Hause. Ich biege in unsere Straße ein und sehe alle Mülltonnen auf der Straße stehen, nur unsere fehlt. Und ich frage mich, warum mein Mann, als er nach Hause gefahren ist dies nicht wahrgenommen hat und deshalb nicht die Mülltonne raus gestellt hat. Ich nehme Abstand von der Sache. Finde heraus, dass mein Vater ganz zuverlässig den Müllcontainer auf die Straße schon, weil dieser so schwer war und somit Männerarbeit. Ich schiebe die Tonne alleine auf die Straße, betrete das Haus, küsse meinen Mann und sage ihm ganz freundlich: An Tagen an denen ich so spät nach Hause komme würde ich mir wünschen du könntest dich um die Mülltonne kümmern. Könntest du dir das vorstellen? Und er könnte entspannt reagieren, ich hatte nicht wahrgenommen, dass es schon wieder soweit ist, aber ich möchte gerne in Zukunft aufmerksamer dafür sein. Und dann können wir einen schönen Abend zusammen haben.