Hoch- und Tiefdruckgebiete in der Ehe

Gepostet am Mrz 28, 2016 in Grundlagen, Studien

Hoch- und Tiefdruckgebiete in der Ehe

Eine Studie besagt „Verheiratete fühlen sich besser als Einzelgänger“. Der Psychologe Ed Diener wollte diese Aussage näher betrachten. Diener und sein Team beobachteten 15 Jahre lang 24.000 Menschen in Deutschland. Die Probanden mussten in regelmäßigen Abständen Diener und seinem Team Auskunft über das Wohlbefinden geben. Dies gaben sie immer in einer Skala von 0 (total unglücklich) bis 10 (total glücklich) an.

Zu Beginn der Studie waren von den 24.000 Menschen 1.761 noch Single, heirateten aber im Laufe der Beobachtungszeit. Besonders an der Gruppe der 1.761 Singles, die später geheiratet haben, konnte Diener mit seinem Team viel aufschlussreiches beobachten: Schon ein Jahr vor der Hochzeit stieg die Zufriedenheit der Probanden. Dieses „Hochzeitshoch“ hielt auch noch zwei Jahre nach der Hochzeit an. Verheiratete fühlen sich also wirklich besser. Erstmal. Im dritten Jahr nämlich, legt sich das „Hoch“ wieder und viele der Ehepaare fühlen sich im Schnitt wieder wie früher. Es konnten aber große Unterschiede zwischen den Paaren entdeckt werden. Manche fühlten sich unglücklicher denn je, ihnen bekam die Ehe gar nicht. Andere allerdings erlebten ein regelrechtes „Dauerhoch“1. Durchschnittswerte konnten in diesem Fall also nicht wirklich berechnet werden. Auch als später die Psychologen Benjamin Karney und Thomas Bradbury eine ähnliche Studie mit 54 Paaren durchführten, konnten sie nur folgendes feststellen: Das Ehehoch sank während der 4 jährigen Beobachtungszeit stetig2. Zugleich stieg aber mit der Zeit der Unterschied zwischen den Eheleuten. Am Anfang genossen alle ihr Ehehoch, danach ging es für viele wieder bergab. Bei etwa 15 % der Frauen und 30 % der Männer war es aber umgekehrt: Ihre Zufriedenheit kletterte mit den Jahren in die Höhe.3

Alltag im Ehebett

Auch im Ehebett verhält es sich ähnlich. Am Anfang der Ehe konnten die Probanden die Finger nicht voneinander lassen, aber auch im Bett folgt darauf das „Tief“. Die Verliebtheit geht, der Alltag kommt.
Aber woran kann das liegen? Gewohnheit? Alter? Am sinkenden Testosteronspiegel?

  • Durchschnittlich schlafen junge Ehepaare zwischen 19 und 24 Jahren im Monat 11,7 mal miteinander
  • Ehepaare zwischen 30 und 34 Jahren, 8,5 mal
  • Bei den 50 bis 54 jährigen sinkt der Durchschnitt auf 5,5 mal und
  • bei den 65 bis 69 jährigen auf 2,4 mal im Monat

Diese Zahlen sagen aber nichts über das Beziehungsglück aus. Weniger Sex bedeutet nicht automatisch, dass auch die Liebe weniger wird, denn auch die glücklichsten Paare gewöhnen sich aneinander und verbringen nicht mehr den ganzen Tag im Bett. Sie verbringen ihre Freizeit anders, unternehmen viel miteinander und mit Freunden. Der Sex wird zwar weniger, jedoch intensiver und er wird mehr genossen.

Bei den weniger glücklichen Paaren sieht es anders aus: Viele schlafen zwar noch miteinander, aber sie haben das Gefühl, dass etwas verloren gegangen ist. Aber woran liegt das? Ist der Alltag schuld? Man hat, bzw. nimmt sich weniger Zeit füreinander, das Berufsleben und Kinder funken dazwischen. Man endet zwar ab und zu abends noch im Bett und schläft miteinander, aber nur noch um die „Quote“ zu erfüllen. Erotik fängt aber schon mit Zärtlichkeiten im Alltag an und das erfordert Zeit. Morgens dem Gatten oder der Gattin den Kaffee ans Bett bringen, kleine Liebesbotschaften zustecken, sich abends Zeit nehmen und ein Glas Wein vor dem Kamin genießen oder auch ab und zu ein Lustwochenende miteinander genießen.

Mehr hilfreiche Tipps um den Ehetrott zu vermeiden, findest Du auch in unserem Artikel Raum für Intimität.

-Nach dem Buch “Die Liebe und wie sich Leidenschaft erklärt” von Bas Kast

1Lucas et al (2003). Reexamining adaption and the set point model of happiness: Reactions to changes in marital status. Journal of Personality and Social Psychology, 84, 527-539.
2Kurdek (1999). The nature and predictors of the trajectory of change in marital quality for husbands and wifes over the first 10 years of marriage. Developmental Psychology, 35, 1283-1296.
3Karney et al. (1999). Deconstructing stability: The distinction between the course of a close relationship ant its endpoint. In: Adams, J.M. & Jones, W.H. (Hrsg.) Handbook of interpersonal commitment and relationship stability. Kluwer, New York.