Finanzen sind ein dauerhafter Streitpunkt in sehr vielen Beziehungen

Gepostet am Aug 21, 2016 in Finanzen, Grundlagen

Finanzen sind ein dauerhafter Streitpunkt in sehr vielen Beziehungen

Streitigkeiten, Diskussionen und Frust ums Geld gehören zu den größten Beziehungskillern. Kaum ein Thema ist mit so vielen Tabus und Ängsten belegt wie das Thema Geld, besonders wenn die Finanzen knapp werden. So werden Gespräche darüber schnell zum Reizthema oder führen gar in eine Beziehungskrise. Das ist auch nicht verwunderlich, da jeder Mensch seine eigenen Glaubensätze und Landkarten zum Thema Geld in die Beziehung mitbringt. In den seltensten Fällen jedoch setzt sich ein Paar bewusst und im Detail damit auseinander, welche Einstellungen, Gewohnheiten und Ängste jeder mit Geld und Finanzen verbindet.

Nicht umsonst zählen in unserer Gesellschaft die Themen Religion, Geld und Sex zu den größten Tabuthemen.

 

Das Thema Geld in der Partnerschaft

Es beginnt bei jedem Selbst und einem offenen Gespräch

Da Geld für viele ein Tabuthema ist (über Geld spricht man nicht), ist es umso wichtiger dazu in einer Paarbeziehung eine gute und offene Gesprächsgrundlage zu schaffen. Das setzt die Bereitschaft voraus absolut ehrlich und offen die eigenen Einstellungen zum Thema Geld dem anderen mitzuteilen.

Dabei wird es Dinge geben, die man vielleicht lieber nicht sagen würde, doch das hilft nichts, denn im Zusammenleben werden diese Sichtweisen so oder so sichtbar werden. Daher ist es besser alle Karten auf den Tisch zu legen, um daraus tragfähige Lösungen zu gestalten.

Wie immer beginnt alles bei einem Selbst. Um eine gute Basis für die „Gemeinsamen Finanzen“ zu finden, sollte sich jeder Partner für sich selbst Klarheit darüber verschaffen, welche eigenen Einstellungen, Überzeugungen, Glaubenssätze und Ängste er/sie mit Geld verbindet.

 

Anregende Fragen hierfür können sein:

  • Was für eine Geld-Persönlichkeit bin ich?
  • Welche Glaubenssätze zu Geld habe ich aus meiner Erziehung übernommen (bewusst und unbewusst) und warum sollen diese heute noch Bestand haben?
  • Wie gerne und wofür gebe ich Geld aus?
  • Wofür möchte ich kein Geld ausgeben und warum?
  • Wie hoch ist mein Sicherheitsbedürfnis?
  • Wie Risikobereit bin ich mit Geld?
  • Wo stehe ich zwischen den Extremen eines Verschwenders und eines Geizigen? Welche Ängste und Hoffnungen verbinde ich mit Geld?
  • Was denke ich über Reiche und Arme?
  • Wie viel Geld steht mir zu?
  • Mag ich Geld oder ist es ein Übel mit man leben muss?

 

Du siehst anhand der Tiefe der Fragen, dass es hier um sehr bedeutende und persönliche Erkenntnisse unserer eigenen Persönlichkeit geht. Dabei wird es Erkenntnisse geben die Du gut findest, wie auch solche, die Du lieber nicht mitteilen willst. Je mutiger und ehrlicher jeder Partner alle seine Ergebnisse und Erkenntnisse in den gemeinsamen Dialog einbringt, desto besser und nachhaltiger können die Lösungen und Kompromisse werden. Standards soll und darf es dabei nicht geben.

Jedes Paar muss für sich seine ganz eigenen und individuellen Lösungen zu den gemeinsamen Finanzen finden, die im Laufe der Beziehung immer wieder angepasst werden können

Selbstwertgefühl an der Höhe des Einkommens messen

Sicherheit und Altersvorsorge für beide Partner

Nicht vernachlässigen darf man, dass viele Männer (Frauen holen auf) ihr Selbstwertgefühl über den Erfolg im Beruf oder die Höhe Ihres Einkommens definieren. Dann können schnell Situationen entstehen in denen ein Partner, über das Medium Geld, Macht und Kontrolle auf den anderen ausübt.

Kommen Kinder hinzu und ein Partner widmet sich mehr der Erziehung und dem Haushalt, ist es wichtig, dass diese Arbeit hinreichende Anerkennung findet und gesehen wird.

Bei vielen Menschen ist die wahre Ursache des Strebens nach immer mehr Geld, der Wunsch nach Sicherheit. Es ist zwar vordergründig so, dass Geld materielle Sicherheit gibt, doch sollte jeder bedenken, dass Geld keine absolute Sicherheit geben kann. In der Geschichte gab es regelmäßig Ereignisse wie Inflation, Währungsreform oder Kriege die angespartes Vermögen entwertet haben. Auch in der Zukunft wird es derartige Ereignisse geben.

Bei aller Freude über eine glückliche Beziehung und Liebe, sollte man die Realitäten nicht ignorieren. Die realistische Aussicht auf eine lebenslange Partnerschaft die bis zum Tod hält, liegt für alle die heute zwischen 20 und 50 Jahre alt sind bei unter 50 %. Daher ist es wichtig, dass für jeden Partner separat ein eigenständiger privater Kapitalansparprozess eingerichtet und bedient wird.

Es gibt unzählige Varianten für die Gestaltung der gemeinsamen Finanzen

Gemeinsame Lösungen erarbeiten

Fließt alles in eine gemeinsame Kasse oder hat jeder sauber getrennt seine eigenen getrennten Konten? Welches Finanzmodell oder welches Mischmodell für eine Beziehung am besten passt, hat viel mit ihren jeweiligen individuellen Persönlichkeitsmustern zu tun. Nur wenn diese besprochen werden, können tragfähige Lösungen entstehen.

Die gemeinsame Kasse

Langezeit einziges und übliches System

Hier fließen alle Gelder auf ein gemeinsames Konto, von welchem die  Lebenshaltungskosten bestritten werden. Jeder kann über das Konto verfügen und kauft sich das was er braucht. Hier sollte jedoch ein Betrag festgelegt werden, ab dem der andere Partner in die Entscheidung mit einzubeziehen ist. Dieses Modell geht dann gut, wenn beide Partner annähernd gleich viel verdienen und ein ähnliches Ausgabeverhalten haben. Dazu sollte man sich bereits einige Zeit kennen und über die finanziellen Verhaltensmuster des anderen ausgetauscht haben.

 

Dieses einfache und früher übliche System birgt jedoch auch beträchtliches Konfliktpotential:

  • Was, wenn ein Partner ständig mehr ausgibt als der andere?
  • Wenn einer erheblich mehr verdient als der andere –  fühlt sich dieser dann ausgenutzt?
  • Was wenn einer oder beide Partner Kinder aus vorhergehenden Beziehung mitbringen?
  • Wie geht man mit Situationen um, wo einer etwas anschaffen will und der andere nicht?
  • Bei all diesen Situationen kann es leicht zu Unzufriedenheit und Streit kommen.

Die getrennte Kasse

Finanzielle Freiheit für beide

Hier hat jeder seine eigenen Konten und behält über diese die alleinige Kontrolle. Diese Lösung ist immer zu Beginn einer Beziehung anzutreffen, die zwei Menschen eingehen. Es gibt zwei Haushalte, jeder zahlt seine Anschaffungen, gemeinsame Ausgaben/Anschaffungen werden gerecht geteilt. Somit ist jeder frei, was er mit seinem Geld tut. Wenn eine gemeinsame Wohnung ansteht, stellt sich die Frage nach einem gemeinsamen Konto. Dann wird sich im Laufe der Zeit immer klarer zeigen, wo – zwischen alles gemeinsam und alles getrennt – sich die gemeinsamen Finanzen hin entwickeln.

Je unterschiedlicher das finanzielle Verhalten zweier Menschen ist, desto mehr wird es zum Streit- und Reizthema mit viel Potenzial für Frustrationen. Um die Unzufriedenheit möglichst klein zu halten, sollte eine möglichst klare Trennung der Finanzen das Ziel sein.

Noch wichtiger ist es, sich als Paar mit dem Thema wie oben beschrieben intensiv auseinander zu setzten, damit hier eine bessere Basis mit mehr Verständnis für den anderen entstehen kann.

Falls sich schon im Verlauf der bisherigen Beziehung herausgestellt hat, dass Geld ein Reizthema werden kann, dann belässt man es am besten bei der getrennten Kasse. Nähert euch dann Stück für Stück an.

Die Mischung aus gemeinsamer und getrennter Kasse

Annähern der Finanzen in der Beziehung

Bei dieser Variante hat jeder sein eigenes Konto und es gibt ein gemeinsames Konto. Hierfür wäre es wichtig die gemeinsamen Fixkosten (Miete, Nebenkosten, gemeinsame Versicherungen, Radio  TV Gebühren, Telefon) aufzulisten sowie die durchschnittlichen variablen Kosten (Nahrungsmittel, Haushaltswaren, Kleinmöbel, Haushaltshilfe, usw.)

Hierfür wäre es sinnvoll ein Haushaltsbuch zu führen um einen Überblick über die durchschnittlichen Kosten zu erhalten.  Hierfür findet ihr im Anhang einen Vorschlag.

Danach solltet ihr die Ausgaben prozentual, anteilig eurem Einkommen aufteilen. Beide überweisen dann, per Dauerauftrag, monatlich auf das gemeinsame Konto den vereinbarten Betrag.

Sonderausgaben, wie Urlaube oder Möbel sollten vorab besprochen und ebenso anteilig dem Einkommen aufgeteilt werden. Dann sollten Sonderzahlungen auf das gemeinsame Konto erfolgen.

Wer es genau getrennt und übersichtlich haben möchte kann auch folgende Idee aufgreifen. Wenn ihr euch entscheidet, eure beiden Haushalte zusammen zu führen, dann könnt ihr eine Inventarliste erstellen. Hier könnt ihr z.B. festhalten: wer hat welche Möbelstücke mitgebracht und welche wurden gemeinsam angeschafft.

Fazit

In vielen Beziehungen ist das Thema Geld und Finanzen Ursache für Unzufriedenheit, Ärger, Enttäuschung und Spannungen. Daher ist es definitiv lohnenswert sich intensiver und tiefer damit auseinanderzusetzen. Beginnen sollte jeder bei sich selbst, um dann aus den Erkenntnissen des Einzelnen etwas Gemeinsames zu gestalten. Wie in den meisten Bereichen einer Beziehung geht es darum mehr Verständnis für den Partner aufzubringen und eine Lösung zu finden die einen gesunden Kompromiss bildet.