Die drei Liebestypen

Gepostet am Nov 17, 2016 in Grundlagen, Studien

Die drei Liebestypen

Manchen Menschen fällt es leicht zu lieben, sie sehen vor allem das Positive in ihrem Partner und der Beziehung. Andere dagegen sind von Natur aus eher misstrauisch und pessimistisch, reden sich vieles schlecht und übersehen gerne mal die positiven Eigenschaften. Viele Forscher sind in ihren Untersuchungen immer wieder auf drei Arten von Liebestypen gestoßen.

Die amerikanischen Beziehungspsychologen Philip Shaver & Cindy Hazan gelangen nach einer Studie mit 600 Probanden, die sie speziell nach Erlebnissen aus ihrer Kindheit befragten, zur folgenden Erkenntnis: Die Wurzel der Positiv- oder Negativ-Seher liegt bereits in der Kindheit. Wir lernen als Kind nicht nur das Laufen und das Sprechen; die Erfahrungen, die wir als Kinder mit unseren Eltern machen, beeinflussen maßgeblich unser Liebesleben und machen uns zu einem speziellen Liebestyp.

Hier einige Beispiele dafür:

War die Mutter immer gleich für einen da, wenn man sie gebraucht hat? Oder musste man eher um ihre Aufmerksamkeit betteln?

Konnte man(n) mit Problemen zum Vater gehen und Hilfe erwarten? Oder musste man ihm gegenüber eher Stärke beweisen und durfte keine Schwäche zeigen?

Aufgrund der Erfahrungen aus der Kindheit, entwickelt sich so im Kopf ein Modell der Liebe, welches den Liebestyp ausmacht.

Anhand eines kleinen Selbsttests kannst Du herausfinden, welcher Liebestyp Du bist:

Welche der folgenden Aussagen beschreiben am ehesten Deine Gefühle?

  1. Andere Menschen an mich heranzulassen, fällt mir sehr leicht. Ich lasse es zu, von anderen abhängig zu sein und habe auch kein Problem damit, wenn andere von mir abhängig sind. Einmal verlassen zu werden, macht mir keine große Angst.
  2. Einem Menschen komplett zu vertrauen, fällt mir nicht leicht und ich fühle mich nicht wirklich wohl, anderen Menschen zu nahe zu kommen. Ich möchte von anderen nicht abhängig sein. Meine Partner suchen oft mehr Nähe, als ich zulassen möchte.
  3. Ich mache mir oft Sorgen, ob mein Partner mich genau so viel liebt wie ich ihn und ich habe Angst, eines Tages verlassen zu werden. Mein überdurchschnittlicher Wunsch nach Nähe, schreckt die anderen manchmal ab.
  • 56 % der Menschen tendieren eher zur 1. Variante, dem „sicheren Liebestypen“.
  • 25 % sind eher die „Liebesvermeider“ und
  • 19 % gehören zur Kategorie „Liebesängstlich“.

Die sicheren Liebestypen empfinden ihre Beziehungen immer als äußerst zufriedenstellend. Sie vertrauen ihrem Partner und lassen Nähe zu. Laut der Studie von Shaver & Hazan, halten deren Beziehungen im Schnitt doppelt so lange, wie die der anderen[1]. Das bedeutet allerdings nicht, dass die anderen Liebesstile keine Vorzüge haben: Die Liebesängstlichen kümmern sich sehr um den Erhalt ihrer Partnerschaft und sind äußerst sensibel. Vermutlich stammen die schönsten Geschichten der Weltliteratur von liebesängstlichen Verfassern – Shakespeare war wohl einer von ihnen. Die Liebesängstlichen benötigen die Leidenschaft und das Feuer in einer Beziehung wie Fische das Wasser. Die Liebesvermeider lassen in ihren Beziehungen dem Partner viel Freiraum. Wenn sich also zwei Vermeider finden, bei denen der Job an erster Stelle steht und danach erst die Beziehung folgt, kann diese Konstellation natürlich perfekt sein.

Unser „angelerntes“ Liebesmodell kann aber jederzeit auch „umgelernt“ werden. Wir müssen nicht immer auf derselben Schiene fahren. Eine unerwartete schmerzhafte Trennung kann durchaus den sicheren Liebestyp in einen ängstlichen oder gar einen Vermeider verwandeln. Ängstliche, die eine feste Bindung eingehen und sehen, dass der Partner es wirklich ernst mit ihnen meint, können durchaus zu sicheren Liebestypen mutieren.

Bedenke:

Wer Sicherheit in seiner Beziehung finden will, muss in der Lage sein, sich ganz auf den Partner einlassen zu können. Zuwendung ist der Baustein, der eine Liebe zusammenhält.

-Nach dem Buch “Die Liebe und wie sich Leidenschaft erklärt” von Bas Kast

[1] (s. Shaver & Hazan 1987: Romantic love conceptualized as an attachment process. Journal of Personality & Social Psychology, 52, 511-524).