Der Schlüssel zum Glück

Gepostet am Nov 25, 2016 in Grundlagen, Studien

Der Schlüssel zum Glück

Früher nahmen viele Psychologen und Beziehungsforscher an, dass der Schlüssel zu einer glücklichen langwährenden Partnerschaft in der richtigen Art zu streiten lag (siehe hierzu auch den Artikel: Meister der Ehe – Richtig streiten). Manchmal sagen wir in einem Streit böse Dinge zu unserem Partner, die sehr verletzend sind. Wenn man es schafft, beim streiten trotzdem sachlich zu bleiben, kann eventueller Schaden an einer Partnerschaft aber vermieden werden. Kurt Hahlweg, Deutschlands führendster Beziehungsforscher von der TU Braunschweig, hatte hierzu eigens ein Streitprogramm entwickelt: Das EPL  – Ein partnerschaftliches Lernprogramm. Dieses Programm testete er an 96 Paaren, wobei nur 64 davon das eigentliche Programm erhielten, die restlichen 32 dienten lediglich als Kontrollgruppe. Als er die Paare eineinhalb und drei Jahre später wiedertraf und diese bat, sich vor laufender Kamera zu streiten, stellte er fest, dass die Paare mit dem EPL sich viel konstruktiver stritten, als die anderen ohne das Programm. Gottman’s apokalyptische Reiter kamen in den Streitgesprächen der EPL Kandidaten nicht mehr vor (siehe hierzu: Die fünf apokalyptischen Reiter). Allerdings hielt dieser Effekt nicht dauerhaft an. Nach einem erneuten Streitgespräch 5 Jahre später, waren die Unterschiede zwischen den EPLern und Nicht-EPLern bereits verschwunden. Obwohl die EPler gelernt hatten, sich richtig zu streiten, war ihre Ehe auf lange Sicht, nicht glücklicher als die der anderen.[i]

Offenbarung

Andere waren fest davon überzeugt, dass absolute Offenheit zum dauerhaften Beziehungsglück verhalf. Geheimnisse und unschöne Lebenserfahrungen mit dem Partner zu teilen, würde schließlich Intimität und Vertrautheit schaffen, was zugegebenermaßen schon ein wichtiger Eckpfeiler einer funktionierenden Beziehung darstellt. Gottman fand aber heraus, dass es zwar wichtig für eine Beziehung ist, mit dem Partner ab und zu ein Geheimnis zu teilen, aber da dieser Teil der Selbstoffenbarung ebenfalls nicht zum alltäglichen Miteinander – wie auch gelegentliche Streitereien – gehörte, konnte dies auch nicht der Schlüssel zum Glück sein.

Beachtung & Zuwendung

Gottman stellte schließlich fest, dass es  vor allem um Beachtung und Zuwendung in einer glücklichen und langanhaltenden Beziehung ging. Man muss mit seinem Partner also keine unangenehmen intimen Details oder peinliche Kindheitserinnerungen teilen. Wichtig ist, dass man seinem Partner zuhört und Beachtung schenkt.

Unter Zuwendung versteht man jede positive Reaktion auf den Partner z.B. der Partner lächelt und man erwidert diese Geste. Gegenseitige Bestätigung ist also der Schlüssel. Dieser Austausch von Gefühlen ist das Salz in der Beziehungssuppe.

Beispiele von Zuwendung:

  • Auf Probleme des Partners eingehen und sie ernst nehmen
  • Den Partner unterstützen (Das Wir-Gefühl-Stärken)
  • Dem Partner zuhören
  • Durch kleine liebevolle Gesten zeigen, wie sehr man den Partner respektiert
  • Den Partner bewundern

Es gilt aber zu beachten, dass Männer oftmals nicht so offen über Probleme sprechen können, wie Frauen. Frauen öffnen sich schneller, reden auch im Freundeskreis über vieles was sie bedrückt. Männer neigen eher dazu, Probleme in sich hineinzufressen, weil sie der Frau gegenüber keine Schwäche zeigen möchten. Daher ist es wichtig, den Partner nicht zu bedrängen, wenn man denkt, dass er ein Problem hat. Man sollte ihm einfach zeigen, dass man für ihn da ist und ein offenes Ohr hat, sobald er dazu bereit ist, dass Problem mitzuteilen.

„Die Liebe lebt von liebenswürdigen Kleinigkeiten“ – Theodor Fontane (1819-1898)

Wenn Du der Meinung bist, dass es in Deiner Beziehung an Zuwendung mangelt, haben wir hier ein paar passende Übungen für Dich bereitgestellt: Mangelnde Zuwendung durch den Partner.

-Nach dem Buch “Die Liebe und wie sich Leidenschaft erklärt” von Bas Kast

[i] Hahlweg & Bodenmann (2003), Universelle und indizierte Prävention von Beziehungsstörungen. In: Grau, I. & Bierhoff, H. W. (Hrsg.). Sozialpsychologie der Partnerschaft. Springer, Berlin.