Der richtige Riecher

Gepostet am Nov 3, 2016 in Grundlagen, Studien

Der richtige Riecher

Der Schweizer Biologe Claus Wedekind hat in seinen Experimenten entdeckt, wovon der persönliche Geschmack u.a. abhängen könnte. Männliche Testpersonen mussten zwei Tage lang das ein uns selbe verschwitzte T-Shirt tragen, an dem die weiblichen Testpersonen dann riechen durften, um schließlich das Aroma zu bewerten.

 

Major-Histocompability-Compex

Um einen Blick auf die Immungene (sogenannte MHC-Gene „Major-Histocompability-Complex“) der Probanden zu haben, nahm Wedekind zuvor jedem Blut ab. MHC-Gene spielen eine wichtige Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern. Mit ihrer Hilfe erkennt der Körper Krankheitserreger und bekämpft sie. Je vielfältiger die MHC-Ausstattung unseres Körpers ist, umso besser ist unsere Abwehrkraft. Die Versuche von Wedekind bestätigen, dass es von den MHC-Molekülen abhängt, ob wir jemanden „gut riechen“ können oder nicht. Frauennasen bevorzugen laut Wedekind eher Männer, deren MHC-Profil sich von ihrem eigenen möglichst unterscheidet. Wedekind spekuliert, die Frau stellt damit sicher, dass ihr potenzieller Nachwuchs mit einer breiten Mischung an MHC-Molekülen und somit mit einem guten Abwehrsystem ausgestattet wird. In einem weiteren Versuch konnte Wedekind nachweisen, dass Männer ebenfalls Frauen besser riechen konnten, die auch ein unterschiedliches MHC-Profil besaßen. Was die Immungene betrifft, ziehen sich Gegensätze also an.
Die Probanden gaben in einer Befragung auch an, dass sie der Duft eines Menschen mit unterschiedlichem MHC-Profil eher an den eigenen Partner oder den Ex-Partner erinnert.

Allerdings trifft der Befund nicht auf Frauen zu, die die Antibabypille nehmen. Sie fühlen sich nämlich von Männern angezogen, welche ein ähnliches MHC-Profil besitzen. Dies ist damit zu erklären, dass die Hormone der Antibabypille eine Schwangerschaft vortäuschen und der Eisprung gehemmt wird, was eine Befruchtung unmöglich macht.

An den fruchtbaren Tagen der Frau ändert sich auch deren Wahrnehmung von Gerüchen. Der Wiener Wissenschaftler Karl Grammer ließ 290 Frauen in einem Versuch den Geruch von Androstenon beurteilen. Androstenon ist die Geruchsnote, die den Achselschweiß des Mannes bestimmt. Die Testerinnen waren nicht wirklich begeistert von dem Aroma. Nur Frauen, die kurz vor dem Eisprung standen, störten sich nicht so sehr an dem Duft. 1

-Nach dem Buch “Die Liebe und wie sich Leidenschaft erklärt” von Bas Kast

1Grammer (1993b) 5-alpha-androst-16en-3-alpha-on: A male pheromone? A brief report. Ethology and Sociobiology, 14, 201-208