Das Antidepressivum namens Liebe

Gepostet am Sep 8, 2016 in Grundlagen, Studien

Das Antidepressivum namens Liebe

Die Hirnforscher Andreas Bartels und Semir Zeki führten Ende der 90er Jahre eine Studie mit 70 Verliebten Studenten durch, davon waren drei Viertel Frauen. Die Probanden gaben alle an, sich „truly, madly and deeply“ (wahrhaft, wahnsinnig und tief) verliebt zu fühlen. Die Wissenschaftler führten mit jedem Einzelnen ein Interview und ließen die Probanden ihre Beziehung kurz beschreiben.

Danach wurden 6 Männer und 11 Frauen herausgefiltert, die hochgradig verliebt waren. Die Probanden mussten noch einen psychologischen Liebesfragebogen und einen Lügendetektortest bestehen. Bei diesen Versuchen erzielten sie Höchstwerte.

Ein Lügendetektor erfasst nicht nur den Puls und die Atemfrequenz, sondern auch die Veränderung der Hautleitfähigkeit. Wenn man nervös wird, kommt man ins Schwitzen. Dadurch leitet unsere Haut elektrischen Strom besser.

Es genügte den Probanden ein Bild ihrer Liebsten / ihres Liebsten zu zeigen; sie kamen alle leicht ins Schwitzen. Die Probanden mussten danach in einen Kernspintomographen. Dort zeigten ihnen die Forscher wieder ein Bild ihres Partners / ihrer Partnerin und missten zeitgleich die Hirnaktivität.

Das Ergebnis war, dass die verliebten Studenten sich in einem Zustand befanden, als hätten sie ein Tütchen Kokain geschnupft. Die Hirnregionen, welche mit Glücksgefühlen verbunden sind, leuchteten auf. Die Hirnregionen, die mit einem schlechten Gemütszustand verbunden sind (das rechte Stirnhirn, genannt Präfrontalcortex), waren abgeschaltet.

Bei depressiven Patienten ist der rechte Präfrontalcortex oft besonders aktiv. Wenn wir also ein Foto eines geliebten Menschen sehen, wirkt dies praktisch wie ein Antidepressivum. Das Gesicht eines geliebten Menschen ist also in der Lage Glücksareale im Kopf zu aktivieren und gleichzeitig die Erregung im rechten Stirnhirn zu drosseln, die mit negativen Gefühlen einhergeht.

-Nach dem Buch “Die Liebe und wie sich Leidenschaft erklärt” von Bas Kast